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09.09.2026

Ich empfinde die Wahlergebnisse in meiner Heimat als unglaublich schmerzhaft und ernüchternd. Über 50 % der Menschen in Sachsen-Anhalt haben Parteien gewählt, die nicht dem demokratischen Spektrum angehören, auch wenn es eine demokratische und freie Wahl war, die dieses Ergebnis möglich machte.

Dass die CDU sich jetzt so unglaublich schwach gegenüber der AfD verhält, verwundert mich nicht. Die Partei Adenauers verkommt zu einer Partei, die frei von jeglichem Profil ist. Es ist keine Politik auf die Bevölkerung einzuhauen, ihr zu sagen, dass sie faul ist, zu oft krank und gefälligst länger arbeiten muss. Nein, das ist keine Politik, das ist erbärmlich.

Ich glaube, dass es jetzt wichtig wäre, wirklich soziale Politik zu machen. Soziale Arbeit stärken, Tarifbindungen erhöhen, mehr Geld in Infrastruktur, Besteuerung von Vermögen und und und. Vielleicht findet die SPD ja das S in ihrem Namen wieder, vielleicht passiert dann etwas. Aber auch da habe ich nicht das Gefühl, dass der Ernst der Lage bereits begriffen wurde.

Sorge bereitet mir zudem, dass sich gerade medial eine neue Ost-West-Debatte öffnet, die KEINERLEI Lösungsansätze präsentiert. Stattdessen werden uralte und überholte Vorurteil zu Markte getragen. Das ist sehr dumm. Und es ist ernüchternd und ermüdend dabei zuzusehen.

Seit mehreren Jahren bin ich auf Bühnen unterwegs, darf mich immer wieder zu Ostdeutschland äußern, muss es sogar, da irgendwie von mir erwartet wird, dass ich eine Expertise hätte, weil ich ja schließlich aus dem Osten komme. Als wenn die anderen 13 bis 16 Millionen nicht weniger Ahnung hätten als ich. Ich habe momentan nicht das Gefühl, dass diese Arbeit auf den Bühnen irgendwas bewirkt hätte. Die Vorurteile sind da. Sie waren nie weg. Und ich bin leid mich dafür rechtfertigen zu müssen, warum meine Landsleute die AfD oder das BSW wählen, wo doch im Westen das gleiche passiert, wo dort noch viel mehr Leute diese Parteien wählen, wo doch klar ist, dass man diesen Dreck nur mit einem Verbotsverfahren und wirklich guter Politik bekämpfen kann.

Die AfD wird sich nicht entzaubern. Sie wird größer und größer. Es ist eine Partei, die auf der Gefühlsebene agiert und nicht mit Inhalten daherkommt. Diesen Quark kann man nicht im Amt entzaubern und man kann ihn nicht politisch stellen.

Die AfD ist kein Ost-Problem. Der Osten ist nur etwas schneller in der Entwicklung. Als Anfang des Jahres die AfD in Baden-Württemberg über 20 % eingeholt hatte, gab es keine Diskussion darum, wie rechtsradikal und faschistisch Westdeutschland in seinen generellen Strukturen ist. Als diese Zahlen vor ein paar Jahren im Osten zum ersten Mal auftauchten, gab es diese Diskussion allerdings schon. Und es sind die gleichen Diskussionen, die jetzt stattfinden. Wobei, es sind keine Diskussionen, es sind Vorurteile, die ohne Empathie und wirkliche Sachkenntnis rausgehauen werden.

Insofern mache ich mir keine Illusionen mehr über die Zukunft. Ich habe nicht das Gefühl, dass es auf Bundesebene PolitikerInnen gibt, die genug Stärke und den Mut in sich tragen, ein AfD-Verbotsverfahren anzustrengen. Und von sozialer Politik brauchen wir gar nicht reden – auch diese ist nicht zu sehen.

Werden kalte Zeiten. Erst im Osten und bald im Westen.

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